Bildung und Jugend

Der November-Pogrom 1938 in Höhr-Grenzhausen und die Folgen


Diese Gedenkrede hielt unser langjähriges Mitglied des Stadtrates und Fraktionsvorsitzender vor etwa 20 Jahren am 9.11.1998

 

Das Attentat des Herschel Grynszpan an dem Angehörigen der deutschen Botschaft in Paris Ernst von Rath am 7.11.38, an dem dieser am 9.11. starb, nahm das NS-Regime zum Vorwand, die schon fertigen Pläne zur Ausschaltung der jüdischen Minderheit in Deutschland in die Tat umzusetzen. Regisseur des Pogroms war Reichspropagandaminister Joseph Goebbels, autorisiert durch Hitler. Ausführende waren die örtlichen SA- und SS-Organisationen.

Schon am 8.November (laut einem Augenzeugen) kam es durch Angehörige eines nationalsozialistischen Musterbetriebes der Keramikbranche aus dem Stadtteil Höhr unter der Leitung des Inhabers zu Ausschreitungen gegen die in Grenzhausen lebenden jüdischen Mitbürger. Die Häuser und Wohnungen der Familien Rosenberg,  Haas und Fuldheim wurden verwüstet. „Dabei wurden sämtliche Fenster bis hin zum Dachfenster demoliert; anschließend wurde sämtliches Mobiliar, Hausratsgegenstände, Bettzeug, alle Schuhe und weitere Gegenstände unter lautem Gejohle auf die Straße geworfen. (...) In der Casinostraße versuchten dann einige andere SA-Männer Holz in die Synagoge zu bringen, um diese in Brand zu setzen. Dazu kam es jedoch nicht, weil ein Nachbar den Randalierern glaubhaft versicherte, das Gebäude sei bereits an einen nicht jüdischen Mitbürger verkauft. Tatsächlich geschah dies jedoch erst später.“

Die Juden wurden in „Schutzhaft“ genommen und nach Kirchähr verbracht. Nach etwa einer Woche konnten sie in ihre verwüsteten Wohnungen zurückkehren. Wie überall im Reich mußten die Gedemütigten nicht nur für ihre Schäden selbst aufkommen, sondern auch zu der vom Reich geforderten Sühneleistung von 1 Milliarde RM beitragen.

Aus der zur Zeit verfügbaren Literatur (1998) geht hervor, dass der ab 1941 durchgeführten „Endlösung“ folgende aus Grenzhausen stammende Menschen zum Opfer fielen:

Thekla Beuler (Auschwitz), Simon Dornbusch (Minsk), Max Fuldheim (Hadamar?), Daniel Haas (in Riga verschollen), Dora Haas (in Minsk verschollen), Gustav Haas (in Minsk verschollen), Ingfried Haas (in Minsk verschollen), Ilse Haas (Sobibor), Irma Haas (in Minsk verschollen), Jenny Haas (in Riga verschollen), Walter Haas (in Minsk verschollen), Emma Hecht (Auschwitz), Johanna Hein (Auschwitz), Ida Herrmann (Theresienstadt), Max Hermann (Theresienstadt), Henriette Herz (Auschwitz), Fritz Meyer (Auschwitz), Max Rosenberg (im Osten verschollen), Rosa Rosenberg (im Osten verschollen), Rosa Schnug (Auschwitz), Minna Steinhardt (Theresienstadt), Regina Sürth (im Osten), Minna Winter (in Riga verschollen).

Ingfried Haas war bei seiner Deportation nach Minsk 4 ½ Jahre alt, seine Schwester Ilse 7 Jahre.

Zum Gedenken an diese Bürger wurde 1995 am Stadtpark eine Tafel angebracht, auf der die Frage gestellt wird: „Kain, wo ist dein Bruder Abel?“
 
Wir werden ihrem Gedenken und grauenhaftem Leiden nicht gerecht, wenn wir in regelmäßigen Abständen in Feierstunden mit salbungsvollen Reden ihr Schicksal beklagen und tags darauf den üblichen Ressentiments gegenüber anderen frönen, seien es Türken, Spätaussiedler oder Asylbewerber. Unsere Vergangenheitsbewältigung darf nicht zu ritualisierten Lippenbekenntnissen an Gedenktagen verkommen. In diesem Sinne kann man auch Martin Walser folgen, wenn er sagt: „Auschwitz eignet sich nicht dafür, Drohroutine zu werden ... oder auch nur Pflichtübung. Was durch solche Ritualisierung zustande kommt, ist von der Qualität des Lippengebets.“ Zumindest was unsere (Nachkriegs-) Generation betrifft, so könnte sich die späte Geburt dann als Gnade erweisen, wenn wir das Grauen nicht auf Gedenktage verdrängen, sondern uns tagtäglich bemühen, dem Haß, der Intoleranz und der Gleichgültigkeit keine Chance zu lassen. Wenn wir es endlich schaffen, nicht nur betroffen passiv am Straßenrand zu stehen, wenn anderen Leid zugefügt wird, sondern einschreiten, dann erübrigen sich auch Diskussionen über monumentale Mahnmale. Wir bräuchten sie dann nicht, wir wären selbst praktizierende Mahnmale für die Menschlichkeit.

Uwe Ch. Finke, M.A.
Mitglied der SPD-Stadtratsfraktion

 

Die Ansprache wurde vor Beginn der Ratssitzung auf eigene Verantwortung gehalten. Sie wurde zur Kenntnis genommen mit einem einzelnen Kommentar aus einer anderen Fraktion, dass auch Höhr-Grenzhausener Bürger durch Bombenangriffe ums Leben gekommen wären. Auch diesen sollte man gedenken.    

 

Tanja Machalet (MDL) trifft…… SPD Höhr-Grenzhausen im Jugendhaus 2. Heimat

 

Im Rahmen der Reihe  „Tanja Machalet trifft….“ war die Bildungsminsterin des Landes Dr. Stefanie Hubig am 01.02.2017 zu Gast in Höhr-Grenzhausen. Herzlich begrüßt wurde Stefanie Hubig durch Bürgermeister Tilo Becker. In der folgenden Einführungsrunde stellte Stefanie Hubig dar, dass der Haushalt des Bildungsministeriums der umfangreichste ist. Dieser Haushalt finanziert neben allen Schulen und Hochschulen auch die Kindertagesstätten.  Aus Ihrer Sicht wird das Geld gut ausgegeben, hat Rheinland-Pfalz doch ein sehr breites Bildungsangebot, welches vielen Bildungswegen eine gute Basis gibt.

Nach kurzer Aufwärmphase entspann sich eine interessierte Diskussion über die verschiedenen Themen wie die Finanzierung des kommunalen Kindergartenbaus, Einsatz von eigenen Smartphones und Tablets im Unterricht, die Berufswahl der Jugendlichen und dem damit verbundenen Schulabschluss. Gut vorbereitet, Anregungen aufnehmend, Fragen kompetent beantwortend zeigte Stefanie Hubig, dass die Bildungspolitik in Rheinland-Pfalz bei ihr in besten Händen ist.

In ihrem Schlusswort dankte Tanja Machalet (MDL) der Bildungsministerin für Ihren Besuch in Höhr-Grenzhausen und den ca. 50 Gästen. In ihren Dank schloss Sie ausdrücklich das Team des Jugendhauses um Werner Bayer und Christian Heller ausdrücklich mit ein. Andreas Erdmann, SPD Höhr-Grenzhausen überreichte beiden Gästen, als Gastgeschenk, den Bildkalender „Stars und Sternchen - Alt und Jung“, welchen das Jugendhaus im vergangenen Jahr gemeinsam mit Fotostudio Baumann umgesetzt hatte.      

 

  • Erhalt unserer Vorschul-, Schul- und Bildungseinrichtungen

 

Von den Kindergärten bis zur Hochschule bietet unsere Stadt durchgängig ein Ausbildungsangebot, dessen Erhalt für uns zu den wichtigsten Aufgaben einer Kinder- und Jugendpolitik gehört.

 

  • Förderung  der Jugendarbeit bei Vereinen und in der Weiterbildung

 

Auch zukünftig gehört die Förderung von Jugendarbeit aus Mitteln des städtischen Haushalts zu einer unverzichtbaren Aufgabe. Vorrang gehört dabei der Förderung in der Breite.

 

  • Ausbau des Kultur-, Fortbildungs-  und Freizeitangebotes

 

Die gelungenen Angebote von der „Zweiten Heimat“ bis zur Stadtbücherei sollten weiter ergänzt werden. Die Rolle der Volkshochschule kann in unserer Stadt deutlich verbessert werden, Einrichtungen wie die Musikschule sollen auch hier vertreten sein.